Navigation

Familie Nathusius und die beiden Freundinnen unserer Söhne in Afrika

Bericht 1: Victoria Falls in Simbabwe, vier Bootssafaris, Chobe Nationalpark in Botswana und Mudumu Nationalpark in Namibia

Am 28. Juli 2015 ist es endlich so weit: Wir sind in Victoria Falls in Simbabwe angekommen!

Wir, das sind von links nach rechts

  • Vivi, die Freundin von Thorsten
  • Thorsten, unser jüngerer Sohn
  • Ingeborg, mit der ich seit fast 25 Jahren verheiratet bin
  • Wolfgang, der Initiator der Reise
  • Barbara, die Freundin von Marvin
  • Marvin, unser älterer Sohn

Vor mehr als einem halben Jahr ist die Idee entstanden „Familie Nathusius fährt nach vielen Jahren einmal wieder zusammen in den Urlaub.“ Marvin und Barbara haben ihren Bachelor in Chemie gemacht, Thorsten sein Abi bestanden – alle haben Zeit. Und ich, ich stecke nach meinen Mali-Reisen voll im Afrika-Fieber. Die Idee war geboren, denn wann wird sich so eine Konstellation mal wieder ergeben. Die Zeit schien reif – für die Reise unseres Lebens?

Jetzt, nach 16 Stunden Anflug können wir es noch gar nicht richtig glauben: Wir sind da! Wir haben uns die Tour durch Simbabwe, Botswana und Namibia schon gemeinsam und dank Google Earth sogar recht detailliert angeschaut. Wir haben mit Botschaften in Brüssel, Berlin und Harare gekämpft, bis wir alle Visa zusammen hatten. Wir sind bis unter die Schädeldecke voll mit Impfstoff – und voller Hoffnungen. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: Die nächsten fast drei Wochen werden ein unvergessliches Erlebnis voller überwältigender Eindrücke, wie wir es uns in den kühnsten Träumen nicht ausgemalt haben. Wer denkt zum Beispiel, dass sich in ein paar Tagen zwei Meter vor einem ein Elefant aufbaut und droht? Ohne Zoogitter… Doch eins nach dem anderen.

     

Wir schießen unglaublich viele Fotos, drehen einen Film nach dem anderen. Am Ende haben wir mehr als 9.000 Bilder und Filme, Dokumente wie aus einer anderen Welt. Wir könnten tagelang erzählen und ein Buch voll schreiben, so viele Eindrücke saugen wir auf. Ich kann also leider nur einen ganz, ganz engen Ausschnitt der Reise beschreiben – unsere absoluten Highlights - und mit einer klitzekleinen Auswahl Fotos lebendiger gestalten. Ich hoffe, unsere Begeisterung kommt dennoch rüber.

 

Victoria Falls in Simbabwe

Noch am Flughafen nehmen uns Greta (unser Guide) und Jered (unser Fahrer) in Empfang, der Jeep steht für uns bereit. Individualtour nennt sich das Ganze. Greta ist in Namibia geboren, hat viele Jahre lang eine Schule in Walvis Bay mit mehreren Hundert Schülern geleitet und wird uns sehr viel insbesondere über Namibia erzählen. Sie wird uns Tiere zeigen von Löwen und Nashörnern über Elefanten und Giraffen bis hin zu Krokodilen und Flusspferden. Aber auch kleine Gebirgs-Antilopen, Wüstenzebras, Schreiseeadler und Geier sowie schier endlos viele Vögel und Antilopenarten. Jered erweist sich als souveräner Fahrer, der uns trotz unendlich vieler Sandpisten und unglaublicher Gebirgspässe sicher durch drei Länder bringt, obwohl wir vor lauter Fotografiereuphorie die eine oder andere Verspätung verursachen.

  
Alle lauschen Greta im Sossusvlei                    Jered zeigt uns „seinen“ Oshetu-Markt

Nachdem wir kurz unser Gepäck im Sprayview Hotel verstaut haben, geht es schon los zum ersten Höhepunkt: Ein Hubschrauberflug über die Victoria-Fälle. Keiner von uns saß jemals in einem Hubschrauber, die Anspannung ist spürbar. Dann geht es los und wir sind sofort gefangen von der grandiosen Aussicht. Man kann sogar durch den „gläsernen“ Fußboden schauen, nichts entgeht einem. Die Wasserfälle sind atemberaubend, die Gischt steigt aus der Schlucht empor, ein Regenbogen spannt sich über die Vic Falls. Ist es wirklich war, dass wir das erleben?

  
Was für eine Aussicht auf die Victoria Fälle!

Am gleichen Abend geht es weiter. In „The Boma“, ein bisschen außerhalb von Victoria Falls, feiern wir den 23. Geburtstag von Marvin. Ingeborg hat einen Kuchen und Kerzen mitgebracht, die Trommelgruppe singt ihm ein Ständchen und überreicht ein Geschenk. Marvin ist überwältigt – auch vom Büffet, an dem er sich durch Afrikas Tierwelt futtern kann. Krokodil ist nur eines der vielen exotischen Ess-Abenteuer, die wir an diesem Abend probieren.

Marvin wird 23 Jahre alt und bekommt

  
einen deutschen Geburtstagskuchen             und ein Gewand aus Simbabwe

Am nächsten Tag laufen wir auf der Simbabwe-Seite die Victoria Fälle entlang. Auf der anderen Seite der Fälle, in Sambia, liegen die Cataract Islands und das Livingstone Island. Es ist sehr beeindruckend, wie die Wassermassen die Felsen herabstützen. Und das, obwohl in Simbabwe gerade Winter ist und deshalb weniger Wasser den Sambesi herunterfließt als nach der Regenzeit. Für uns hat das den Vorteil: Die Gischt ist nicht so gewaltig und wir können einigermaßen trocken an den Wasserfällen entlang laufen.

  
Nicht nur am „Devil’s Cataract“                        kann man geduscht werden!

Da wir sehr früh am Tag unterwegs sind, sehen wir einen Vogel, den auch Greta zum allerersten Mal sieht, obwohl sie schon oft an den von ihr sogenannten Vic Falls war:

  
An den Victoria Fällen gibt es viele Vögel, z. B. den Livingstone Turako, und Paviane beim Balgen

Am Ende des Rundwegs denken wir, dass wir im Dschungelbuch angekommen sind „Die Affen rasen durch den Wald, der eine macht den andern kalt…“ Aber zum Glück raufen sie nur…

 

Vier Bootssafaris

Zu den Höhepunkten unseres Urlaubs gehören die vier Bootssafaris. Wir sind zweimal auf dem Chobe River rund um die Sidudu/Kazakili Island und jeweils einmal auf dem Kwando River und dem Cubango bei den Popafällen unterwegs. An einer Bootssafari ist das Besondere, dass man sehr nahe an die Tiere heranfahren kann. Jede Bootssafari hatte einen Schwerpunkt. Bei der ersten Tour über den Chobe River haben wir zwei Elefantenherden dabei beobachtet, wie sie den Fluss durchschwimmen. Es ist beeindruckend, wenn die riesigen Kolosse aus dem Wasser steigen und dann vier/fünf Meter an einem vorbei das Ufer entlang laufen. Goldig auch die kleinen Elefanten, die den Rüssel aus dem Wasser strecken.

  
Einfach gewaltig, so ein Elefant                        Herde aus Müttern und kleinen Elefanten

Während der zweiten Chobe-Tour standen mehr die Nil-Krokodile im Mittelpunkt. Wir haben nahe am Ufer ein sehr altes Krokodil entdeckt, das unser Guide auf 4,5 bis 5 Meter und ein Alter von 60 Jahren geschätzt hat. So ein Trümmer liegt dann zwei/drei Meter entfernt am Ufer und schaut einen immer mal wieder an. Da braucht es schon einiges Vertrauen in den Guide, um ein paar Fotos zu machen, mit einem echten Krokodil im Nacken. Ein Krokodil mit aufgerissenem Maul ist ebenfalls ein toller Anblick, den man so schnell nicht vergisst. Es ist alles etwas anderes, wenn man keinen Zaun und keinen unüberwindbaren Graben zwischen sich und den Tieren weiß.

  
Zwischen diese Zähne sollte man nicht kommen, deswegen besser schauen, wer da im Wasser lauert


fast fünf Meter lang, ca. 60 Jahre alt

 

Der Mudumu National Park, an dessen Rand der Kwando River verläuft, ist bekannt für seine Vielfalt an Vögeln. Wir haben einige Schreiseeadler-Paare gesehen, die übrigens ihr Leben lang zusammen bleiben. Wir beobachten zwei Paare bei einem Luftkampf, weil ein Paar in den Luftraum des anderen eingedrungen ist. Die Adler – und später sehen wir auch Geier und Falken – sind majestätische Tiere, wenn sie durch die Luft gleiten und ihre Rufe ertönen. Es gibt aber auch kleine, lustige und teilweise farbenfrohe Gesellen wie den Zwerghaubenfischer oder das Graufischer-Männchen.

Schreiseeadler-Paar                                          Ein bunter Geselle: Der Malachitfischer
  


Das Riesenfischer-Männchen lässt sich nicht aus der Ruhe bringen

Während wir den Chobe River, den Kwando River und damit auch den Cubango (die nachfolgenden beiden Bilder stammen von unserer letzten Bootssafari auf dem Cubango nahe der Popafälle) entlang gefahren sind, hatten wir einen ständigen Begleiter: Flusspferde, von uns liebevoll Hippos genannt. Insbesondere meiner Frau haben die Hippos sehr gefallen, wenn sie ins Wasser eintauchen und man dann nur noch ein bisschen die dicke Nase sowie ein Paar Ohren und Augen sehen kann. In verschiedenen Lodges haben sie uns beim Frühstück begrüßt und beim Abendessen ins Bett verabschiedet. Und wenn sie ihr Maul aufreißen, dann weiß man, warum sie auf der anderen Seite sehr gefährlich sind – insbesondere, wenn sie ein Baby dabei haben oder wenn man im Wasser in ihren Wohnraum eindringt.

  
Kommt ja nicht näher,                                       sonst erwartet euch das hier!

 

Chobe Nationalpark und Mudumu Nationalpark

Neben den vier Bootssafaris haben wir auch vier Safaris im offenen Jeep unternommen. Dabei sind wir durch die drei Nationalparks „Chobe“ in Botswana, „Mudumu“ im Caprivizipfel in Namibia und den sehr bekannten „Etosha“ ebenfalls in Namibia (siehe nächstes Kapitel) gefahren. Im Vergleich zu den Bootssafaris ist die Artenvielfalt noch einmal größer. Man kann Impalas, Krokodile, Kudus, Geier, Perlhühner, Wildschweine, Giraffen, Affen, Flusspferde, Wasserbüffel, Schakale, Hyänen, Zebras, Nashörner, Elefanten, Löwen… sehen.

Da wir im Chobe Nationalpark am Ufer des Chobe entlang fahren, sehen wir auch hier viele Flusspferde und Wasservögel. Nicht nur einzelne Tiere, sondern große Herden. Lustig, wie die Marabus auf dem Boden knien – oder sitzen sie? Wenn Sie gerne Krimis sehen, haben Sie bestimmt schon mal Federn vom Marabu gesehen – sie werden in der Kriminalistik oft benutzt, um Fingerabdrücke sichtbar zu machen. Botswana achtet viel mehr auf den Tierschutz als Namibia und erst Recht mehr als Simbabwe. Außerdem ist der Chobe Nationalpark touristisch noch viel weniger erschlossen als z. B. der Etosha Nationalpark. Wir treffen in den drei Stunden kein einziges anderes Auto. Dafür Tiere über Tiere…

  
Eine Herde Impalas beim Frühstück                Marabus haben eine Spannweite bis zu 3m

Im Mudumu Nationalpark haben wir eine Begegnung der besonderen Art. Wir geraten zwischen eine Gruppe aus Elefantenmüttern mit vielen kleinen Elefanten und zwei junge Elefantenbullen. Wie alle Mütter beschützen Elefantenmütter ihren Nachwuchs mir allem, was ihnen zur Verfügung steht. Man sollte ihnen also ohnehin nicht zu nahe kommen. Die beiden jungen Elefantenbullen waren etwas aggressiv, wollten wohl unbedingt die Damen auf sich aufmerksam machen. Und wir dazwischen. Zuerst hat sich der eine Bulle vor uns aufgebaut, dann kam der zweite dazu. Langsam fand es auch der Guide nicht mehr so lustig. Wir durften nicht mehr fotografieren und uns nicht mehr bewegen. Die beiden Bullen kamen immer näher, am Schluss waren sie noch zwei Meter entfernt. Bei vielen wurde der Wunsch, loszufahren, immer größer, aber wir konnten nicht starten. Als ob die beiden Bullen nicht schon genug waren, fühlte sich die Leitmutter mit ihrer Gruppe in die Enge gedrängt. Auf einmal ist sie auf uns zu gerannt, Ohren aufgestellt und lautes Trompeten. Kurz vor dem offenen Jeep drehte sie ab. Haben Sie schon einmal nichts mehr gesehen außer Elefant? Bei den meisten von uns sechs hatten die Elefanten nach diesem Erlebnis einiges an Sympathie eingebüßt.

  
Das ist dann doch ganz schön nahe…             Elefant und sonst nichts!

 

Demnächst veröffentliche ich über unseren Afrika-Urlaub noch einen weiteren Bericht über den Etosha Nationalpark, das Sossusvlei mit Dead Vlei und Dune 45, die Städte Swakopmund sowie Walvis Bay und die Hauptstadt Namibias, Windhoek. Unsere Reise endet mit einem weiteren Höhepunkt auf der Hochebene von Gocheganas.